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Dressurreiten erklärt: Definition, Lektionen, Voraussetzungen für Pferd und Reiter

Im Takt zur Versammlung

In vielen Zusammenhängen legt das Wort „Dressur“ nahe, dass hier ein Tier ein im Grunde sinnloses Kunststück lernt, weil der Dompteur das so möchte: so wie ein Pudel, der Männchen macht. Beim Dressurreiten ist das, wenn alles gut läuft, vollkommen anders. Die Dressur des Pferdes hat den Sinn, aus dem Lauftier Pferd ein starkes, gelassenes Reittier zu machen und seine Gesundheit langfristig zu erhalten.

Dressurreiten Inhaltsverzeichnis

Was ist Dressurreiten?

Dressurreiten – viele denken dabei an einen Pferdesport, bei dem elegant gekleidete Reiterinnen und Reiter auf oft sehr eindrucksvolle Weise demonstrieren, wie leistungsfähig ihr Pferd ist und wie gut und harmonisch sie mit ihrem Reittier zusammenarbeiten.
Dressur ist das Verschmelzen zweier Lebewesen zu einem, bei der beide freiwillig ihr Bestes geben und mit subtilsten Signalen kommunizieren, und dem daraus resultierenden zarten und doch kraftvollen Tanz. Linda Tellington-Jones, Rebecca M. Didier: Reiten mit Körper, Geist und Seele (2015)
Aber selbst wer mit weißen Hosen und Piaffe überhaupt nichts am Hut hat, braucht Dressur, um sein Pferd gut und gesund reiten zu können.
 
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) schreibt:

„Das Dressurreiten beinhaltet die gymnastische Durchbildung und sorgsame Ausbildung des Pferdes. Hierdurch wird dessen Leistungsfähigkeit erhöht, die Gesundheit erhalten und vor allem die Harmonie zwischen Pferd und Reiter immer weiter verfeinert.“

In: Weiterführende Ausbildung für Reiter und Pferd, Richtlinien für Reiten und Fahren Bd. 2.

Ziel ist das rittige, gut gymnastizierte Pferd

Das Pferd ist von Natur aus kein Reittier. Es zu einem zu machen, ohne seiner Gesundheit zu schaden, ist ein langer, aufwändiger Ausbildungsprozess, der umfassende Kenntnisse über die anatomischen und psychischen Voraussetzungen des Tieres erfordert.
Zwar haben Menschen im Laufe der Geschichte das Pferd nach ihren Ansprüchen als Reit- und Fahrpferd gezüchtet, dennoch ist das Pferd von seiner Anatomie her eigentlich nicht dazu geschaffen, Lasten auf seinem Rücken zu tragen. Jana Beauvais: Rückenschulung beim Reiten (2007)
Unterschiedliche Kulturen haben für diese Aufgabe immer wieder etwas unterschiedliche Lösungen gefunden. Dressurreiten ist die europäische Lösung. Seine Prinzipien fußen auf Erfahrungen, die hier, angefangen beim alten Griechenland, im Laufe von Jahrhunderten erworben wurden. Wer ihnen folgt, profitiert von diesem gigantischen Wissensschatz.
 
Ziel der Dressurausbildung ist ein rittiges Pferd – ein Pferd, das seinen Reiter ohne Schmerzen und gesundheitliche Probleme tragen kann, und das sich in jeder Hinsicht gut und schön reiten lässt: sicher, unverkrampft, bereitwillig, ästhetisch ansprechend. Eine grundlegende Voraussetzung dafür ist, dass das Pferd lernt, seine natürliche Haltung und seine Bewegungsabläufe an die zusätzliche Belastung durch das Reitergewicht anzupassen. Genau dieser Sinn, die sogenannte Gymnastizierung des Pferdes, steckt hinter den typischen Dressur-Übungen.
Durch die Dressur lernt das Pferd, dieses [durch den Reiter verursachte] Ungleichgewicht auszubalancieren und die natürliche Elastizität und Dynamik seines Bewegungsapparates wieder aufzubauen. Konstanze Krüger, Kurt Krüger: Trainingslehre für Dressurpferde (2001)

Wettbewerb gehört für viele Dressurreiter dazu

Es ist ohne weiteres möglich, Dressur nur um der Sache selbst willen zu betreiben – also einfach zur Ausbildung eines rittigen Pferdes. Tatsächlich wird aber die Wettbewerbsidee, also das Antreten auf einem Dressurturnier, häufig mitgedacht. Damit muss absolut nichts verkehrt sein – Wettbewerb kann im positiven Sinne zu Bestleistungen anspornen.
 
Kritiker des Dressurreitens geben allerdings zu bedenken, dass beim Kampf um Punkte und äußere Anerkennung speziell in den höheren Klassen des Dressurreitens mitunter das wichtigste Ziel – das Wohl des Pferdes – aus dem Blick geraten kann … Stichwort Rollkur.
Was die FN über die ethischen Grundsätze des Pferdefreundes schreibt, ist vom literarischen Gesichtspunkt betrachtet sehr gut. Man könnte es nicht besser ausdrücken. Die heutige Praxis der Dressurszene ist von diesen FN-Grundsätzen aber weit entfernt. Fritz Stahlecker: Dressurreiten – Ideal und Wirklichkeit. Kritik am Heute (2016)

Gymnastizierung durch Dressur ist die Grundlage für jeden Pferdesport

Die wachsende Popularität anderer Reitausbildungs-Konzepte wie Western- oder Klassikreiten hat auch mit der beschriebenen Kritik am Dressursport zu tun. Hier ist es aber wichtig, nicht über das Ziel hinauszuschießen. Kritik an gewissen negativen Entwicklungen ist nicht gleichbedeutend mit Kritik an der Idee der Dressur selbst. Ob Klassikreiten, Westernreiten, Natural Horsemanship oder Légèreté: Gymnastizierung des Pferdes durch Lektionen, die im Grunde genommen Dressurlektionen sind, spielt in jeder Variante der Reitausbildung eine unverzichtbare Rolle.
Vom Wanderreiter, der im ausbalancierten Sitz auf seinem Pferd bergauf und bergab reitet, bis zum Springreiter, der die Wendungen und Distanzaufgaben zwischen den Hindernissen nur mit dressurmäßig gut gerittenen und gymnastizierten Pferden schafft: Ohne Dressur geht es nicht. Deutsche Reiterliche Vereinigung
Und selbst wenn Sie lediglich spazierenreiten wollen – nur durch die Dressur entwickelt Ihr Pferd den Gehorsam, das Gleichgewicht und die Kraft, die Sie beide im Gelände brauchen.

Wie lernt man Dressurreiten?

Ohne eine solide Dressur-Grundlage geht es nicht: Für Vielseitigkeitsreiter, Springreiter, Distanzreiter, Working-Equitation-Reiter oder Wanderreiter ist sie ebenso unverzichtbar wie für Freizeitreiter ganz ohne besondere sportliche Ambitionen. Und auch wenn Sie Klassikreiten/Barockreiten oder Westernreiten bevorzugen, werden Sie durch eine Ausbildung gehen, die mit der Dressurausbildung sehr viel gemeinsam hat.
Wer sich auf ein Pferd setzt, ganz gleich, ob um sportlich zu trainieren oder „nur“ durch Wald und Flur zu streifen, belastet das Pferd. Es ist Aufgabe des Reiters, sein Pferd durch Training so zu fördern, dass es diese Arbeit leisten kann, ohne Schaden zu nehmen. Britta Schöffmann: Die Dressurstunde. Trainingskonzepte für jeden Tag (2016)
Dressurreiten lernt man am besten mit einem Reitlehrer. Sind die Grundlagen gelegt, kann man auch allein weiterarbeiten. Wer neue Impulse braucht, holt sie sich von den Mitstreitern im Reitverein, aus Büchern und Videos, in Seminaren, Workshops und Kursen oder im Rahmen von Reiterferien.

Wie lernt man Dressurreiten als Anfänger?

Der Einstieg ins Dressurreiten ist für Anfänger in der Regel ein Reitkurs in einem Reitsportverein. Hier finden Sie qualifizierte Reitlehrer und erfahrene, gut ausgebildete Schulpferde, die Ihnen die Grundlagen vermitteln.
 
Der erste Unterricht findet meist als Einzelunterricht an der Longe statt: Das Pferd läuft an einer langen Leine um den Reitlehrer herum. Sie lernen, sich in allen Tempi und Gangarten auf dem Pferd auszubalancieren und den korrekten reiterlichen Sitz einzunehmen. Später lernen Sie im Gruppen- oder Einzelunterricht die Grundlagen der Hilfengebung und die ersten Dressurlektionen: Halten, Zirkel und Übergänge zwischen den Gangarten.
 
Im Pferdebranchenbuch der Deutschen Reiterlichen Vereinigung finden Sie alle der FN angeschlossenen Pferdesportvereine.

Dressurreiten: Die Reitabzeichen

Auf Ihrem Weg vom Einsteiger zum guten Reiter haben Sie die Möglichkeit, Ihre Fortschritte durch das Ablegen der Reitabzeichen-Prüfungen zu bestätigen. Das sind von der FN vorgegebene und zertifizierte Prüfungen mit theoretischem und praktischem Teil, bei denen Sie Ihr reiterliches Können sowie Ihr Wissen und Ihre Fertigkeiten im Umgang mit dem Pferd demonstrieren. Die Reitabzeichen sind von 10 bis 1 durchnummeriert; 10 ist das Abzeichen für Einsteiger, 1 das mit den höchsten Anforderungen.
Unabhängig von der Teilnahme an Turnieren wollen viele Reiter auch ihre praktischen reiterlichen Fähigkeiten und theoretischen Kenntnisse von Fachleuten überprüfen und sich einen diesbezüglich hoffentlich hohen Standard bestätigen lassen. Michael Putz: Die Reitabzeichen – Anforderungen der FN für Theorie und Praxis (2021)
Aber die Reitabzeichen sind auch die Eintrittskarte in den Turniersport: Wenn Sie jenseits der Einsteigerklasse an einem Dressurturnier nach LPO teilnehmen möchten, benötigen Sie mindestens das Reitabzeichen 5 (ab 2026 heißt es Turniersportabzeichen Klasse A).
 
Einen Sonderstatus hat das Goldene Reitabzeichen: Die höchste Auszeichnung der FN wird nicht im Rahmen einer Prüfung vergeben, sondern wird für herausragende Turniererfolge in der S-Klasse, der höchsten Prüfungsklasse, vergeben.

Dressurreiten: Welche Hilfen braucht man?

Hilfen sind für das Pferd verständliche Signale, die ihm sagen, was es tun soll. Ziel beim Dressurreiten ist das Arbeiten mit sogenannten feinen Hilfen – also leichten Signalen, die dem Pferd keinerlei Schmerz bereiten und von außen kaum wahrnehmbar sind. So sollten beispielsweise ein kaum merklicher Schenkeldruck oder ein leichtes Annehmen der Zügel genügen, um das Pferd zum Angehen oder Halten zu bringen. Schlagen mit den Schenkeln oder Reißen an den Zügeln entsprechen nicht dem Ideal der Dressur.
 
Diese Hilfen braucht man beim Dressurreiten:
 
  • Schenkelhilfen: Leichter Druck mit dem Schenkel, einseitig oder beidseitig, in der Gurtregion oder dahinter. Schenkelhilfen können vorwärtstreiben, seitwärtstreiben oder verwahren.
  • Zügelhilfen: Beidseitig oder einseitig annehmen oder nachgeben in verschiedenen Positionen der Hand. Zügelhilfen kommen zum Einsatz, um das Pferd zu stellen, seitwärts zu führen, zu wenden, zu bremsen oder aufzurichten.
  • Gewichtshilfen: Belasten (einseitig oder beidseitig), Entlasten: Gewichtshilfen kommen zum Geradeausreiten, Versammeln, bei Wendungen oder in den Seitengängen zum Einsatz.
  • Kreuzhilfen: Anspannen (Abkippen) des Beckens. Mit Kreuzhilfen können zum Beispiel Beginn oder Ende einer komplexeren Hilfe signalisiert werden.
  • Stimmhilfen: Das Benutzen von Stimmkommandos spielt beim eigentlichen Dressurreiten eine sehr untergeordnete Rolle – Sie können welche verwenden, aber üblich ist es eher nicht. Sehr wichtig sind Stimmhilfen dagegen beim Einreiten von Jungpferden. 
Um Lektionen zu reiten, müssen in der Regel unterschiedliche Hilfen in der richtigen Weise miteinander kombiniert werden.
 
Die Schulpferde, auf denen Sie Reiten lernen, kennen alle diese Hilfen bereits. Sie werden lernen, sich dem Pferd verständlich zu machen, indem Sie die Hilfen korrekt, deutlich und im richtigen Timing anwenden.
 
Die Pferde sind unsere Lehrer! Jedes ganz normale Durchschnittspferd wird mir zeigen, ob es von mir verständliche Hilfen erhält oder ob ich es ihm unmöglich mache, sich mit mir fließend und in Balance zu bewegen. Hören Sie hin, was Ihnen ein vierbeiniger Lehrer zu sagen versucht, und lernen Sie von ihm, statt ihn mundtot zu machen und zu unterjochen. Silke Hembes: Der Weg zum guten Reiten: klare und motivierende Hilfen (2019)
Wie lernt ein Pferd die Hilfen?

Wenn Sie ein eigenes Jungpferd haben, liegt es in Ihrer Verantwortung, dass Ihr Pferd die Bedeutung der Hilfen erlernt. Diese Aufgabe gehört in die Hände eines erfahrenen Reiters bzw. Ausbilders. In der Regel werden Jungpferde an der Hand und an der Longe zunächst auf Stimmkommandos, Zügelhilfen und Gertenhilfen trainiert. Beim eigentlichen Einreiten werden dann die bereits bekannten Kommandos immer zusammen mit den neuen Gewichts- und Schenkelhilfen eingesetzt, bis das Pferd ihre Bedeutung verstanden hat. Dabei wird stets auf positive Verstärkung gesetzt: Loben, eventuell auch kleine Belohnungen, wenn etwas richtig gemacht wurde.
 
Im Übrigen haben Gewichts- und Schenkelhilfen eine eigene Logik: Die kleinen Verschiebungen des Reitergewichts bringen das Pferd aus dem Gleichgewicht. Die Bewegung, die das Pferd macht, um sich wieder auszubalancieren, ist genau die durch die Gewichtshilfe gewünschte. Ähnlich ist es bei den Schenkelhilfen: Das Pferd weicht instinktiv dem ausgeübten Druck aus – und bewegt sich damit in die gewünschte Richtung. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Hilfen wirklich korrekt gegeben werden.
 

Dressurlektionen

Dressurlektionen sind keine Zirkuskunststücke, die Sie Ihrem Pferd zum Vergnügen beibringen – sondern Übungen, die ganz gezielt der Gymnastizierung des Pferdes dienen. Bei einer Dressurlektion setzen Sie die Ihrem Pferd bekannten Hilfen gezielt ein, um durch ganz bestimmte Bewegungsabläufe seine Balance und Tragkraft immer weiter zu fördern. Bei der Erarbeitung vieler Lektionen können überdies sogenannte Cavalettistangen – leichte Stangen, die bodennah in den Weg des Pferdes gelegt werden – sehr nützlich sein.

1. Dressurlektionen für Einsteiger und fortgeschrittene Einsteiger

Zu den ersten Dressurlektionen, die Sie mit Ihrem Pferd reiten werden, gehören die sogenannten:
 
  • Hufschlagfiguren (der Hufschlag ist die Linie am Rand der Bande des Dressurvierecks, die beim Reiten am meisten genutzt wird). Hier geht es darum, mit dem Pferd eine bestimmte Figur im Dressurviereck zu reiten. Für Anfänger sind das gerade Linien, Diagonalen, Schlangenlinien und Zirkel.
Weitere wichtige Dressurlektionen für Einsteiger sind:
 
  • Gangwechsel in den drei Grundgangarten, also Übergänge zwischen Schritt, Trab und Galopp.
Sitzen diese Lektionen, geht es weiter mit anspruchsvolleren Hufschlagfiguren wie Volten (kleineren Zirkeln) und unterschiedlich großen Vierecken. Dazu kommen Mitteltrab und Mittelgalopp (in Dehnungshaltung gerittene, raumgreifendere Varianten der Grundgangarten) sowie
 
  • Rückwärtsrichten,
  • Galoppwechsel – der Wechsel vom Rechts- zum Linksgalopp oder umgekehrt,
  • Zügel aus der Hand kauen lassen und
  • Überstreichen – dabei lässt der Reiter für kurze Zeit die Zügel locker, wobei das Pferd Haltung, Takt und Tempo beibehalten soll.
2. Dressurlektionen für fortgeschrittene Reiter

In den fortgeschritteneren Dressurklassen kommen unter anderem hinzu:
 
  • Seitengänge – die Seitwärtsbewegung des Pferdes (Schulterherein in der einfachsten, vorbereitenden, Traversale in der fortgeschrittenen Variante),
  • Kurzkehrtwendungen sowie
  • starker Schritt, Trab und Galopp – besonders raumgreifende Varianten der Grundgangarten, bei denen sich das Pferd maximal dehnt.
Versammelter Trab und versammelter Galopp sollen nun ebenfalls beherrscht werden – das bedeutet, dass das Pferd diese Grundgangarten nun in versammelter Haltung, also mit verstärkter Lastaufnahme durch die Hinterhand, zeigen kann. Noch etwas schwieriger ist der versammelte Schritt.

3. Dressurlektionen der Hohen Schule

Zu den Dressurlektionen der Hohen Schule gehören:
 
  • Galopp-Serienwechsel – wiederholte Wechsel zwischen Rechts- und Linksgalopp mit jeweils einer bestimmten Anzahl von Schritten,
  • Piaffe – der versammelte Trab auf der Stelle,
  • Passage – der stark versammelte, tänzerische Trab mit hoher Knieaktion und verlängerter Schwebephase sowie
  • Pirouette – eine im Galopp ausgeführte Drehung um die Hinterhand.
Sprünge wie Levaden oder Capriolen – die sogenannten „Lektionen über der Erde“ – werden in der FN-Dressur (also der Dressur nach den Regeln der Deutschen Reiterlichen Vereinigung) nicht geritten. Als höchste Stufe der klassischen Reitkunst  gibt es sie nur beim Barockreiten.

Der richtige Aufbau einer Dressurstunde

Dressurlektionen sind anstrengend für Ihr Pferd. Achten Sie auf die richtige Strukturierung des Trainings in Lösungsphase, Arbeitsphase und Entspannungsphase und gestalten Sie die Trainingseinheiten abwechslungsreich.
Auch hüte man sich vor Überarbeitung des Pferdes und schiebe immer wieder Schrittpausen ein, bei denen man dem Pferd völlige Zügelfreiheit gewährt und es im langen Schritt zum Strecken bringt. Ebenso empfiehlt es sich, nicht täglich in gleicher Weise zu arbeiten, sondern nach Tagen, an denen man hohe Anforderungen gestellt hat, wieder einen Tag nur natürliche und frischere Gänge in geringerer Zusammenstellung zu reiten. Hans von Heidebreck: Die deutsche Dressurprüfung (1929)

Trainingstipps und Dressurlektionen zu Hause

Selbstverständlich können (und sollten!) Sie Dressurlektionen, wenn irgend möglich, auch zu Hause – das heißt ohne professionelle Reithalle und „Aufsicht“ durch Ihren Reitlehrer – reiten. Ihre Ziele werden Sie nämlich nur erreichen, wenn die Dressur auch in Ihrem Reitalltag ankommt.
 
Gymnastizierende Bahnfiguren wie Zirkel, Volten, Achten, Schlangenlinien und Vierecke können Sie auf jedem ebenen Platz reiten. Aus Gartenstühlen lässt sich sehr gut ein Schlängelkurs improvisieren. Und die Stallbesen können ohne weiteres als Cavalettistangen einspringen.

Dressur im Gelände

Anstatt einfach nur durchs Gelände zu zockeln, sollten auch beim Ausreiten Gangwechsel, Rückwärts- und Seitwärtsrichten und Paraden (rasches Anhalten aus jeder Gangart) zu Ihrem Standardprogramm gehören.
Viele Dressurlektionen machen draußen doppelt so viel Spaß oder gelingen sogar leichter als in einer Reithalle. Katharina Möller: Feines Dressurreiten im Gelände – Gymnastizierung in freier Natur (2016)
Im Übrigen können Sie sich die natürlichen Gegebenheiten für die Gymnastizierung zunutze machen: Wurzeln, Astwerk oder andere Hindernisse, über die es zu treten gilt, fördern die Aufmerksamkeit des Pferdes und zwingen es zum aktiven Heben der Beine. Wegbiegungen und Abzweigungen sind ein natürlicher Anlass, um das Pferd zu biegen. Um Bäume oder auf Kreuzungen lassen sich hervorragend Volten reiten. Ganz toll sind auch Steigungen: Bergaufreiten trainiert die Hinterhand und animiert zum Aufwölben des Rückens; Bergabreiten regt die Hankenbeugung an.

Die Ausbildungsskala des Dressurreitens

Auf dem Weg zum perfekt gymnastizierten Reittier durchläuft das Pferd in der Dressur-Ausbildung eine Reihe von Stufen, die in gewisser Weise aufeinander aufbauen. Dressurlektionen zielen darauf ab, dem Pferd die in der jeweils aktuellen Stufe benötigten Fähigkeiten zu vermitteln.
Es ist schon lange allgemein anerkannt, dass ein Pferd-Reiter-Team, das in der Dressurkunst Fortschritte machen will, egal ob für das persönliche Vergnügen oder im Sport, die sechs Stufen der klassischen Ausbildungsleiter emporsteigen muss. Linda Tellington-Jones, Rebecca M. Didier: Reiten mit Körper, Geist und Seele (2015)
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) – die wichtigste Autorität in Sachen Reitsport hierzulande – listet die Stufen oder Schritte der Ausbildung wie folgt auf:
 
1. Takt
Takt bedeutet: Das Pferd bewegt sich in allen Gangarten räumlich und zeitlich gleichmäßig. Das kann man hören (Schritt: Viertakt, Trab: Zweitakt, Galopp: Dreitakt) und sehen.
 
2. Losgelassenheit
Losgelassenheit ist das Gegenteil von Anspannung – das Pferd läuft unter der reiterlichen Einwirkung bereitwillig, im energievollen Wechsel von Anspannung und Entspannung der Muskulatur, mit locker schwingendem Rücken und Schweif.
 
3. Anlehnung
Mit dem Wort „Anlehnung“ wird der vom Pferd über Gebiss und Zügel aktiv gesuchte und gehaltene leichte, weiche Kontakt zur Reiterhand beschrieben. Anlehnung lässt sich nicht durch Zug an den Zügeln erreichen. Sie kommt zustande, wenn das Pferd sich vertrauensvoll nach vorn an die Reiterhand herandehnt.
 
4. Schwung
Wenn ein Pferd Schwung hat, nutzt es den Schub der Hinterhand stärker für die Vorwärtsbewegung, als es das „von Natur aus“ meist tut. Schwung entsteht, indem das Pferd die Hinterhufe deutlich unter dem Bauch aufsetzt (es „tritt unter den Schwerpunkt“). Das Untertreten ermöglicht nicht nur eine dynamischere Vorwärtsbewegung, sondern entlastet auch die durch das Reitergewicht stärker beanspruchte Vorderhand.
 
5. Geraderichten
Geraderichten bedeutet, dass die Hinterhufe beim Untertreten genau in die Spur der Vorderhufe treten – und zwar auch beim Reiten auf gebogenen Linien. Das gewährleistet die gesunde, gleichmäßige Belastung von Muskeln, Sehnen und Gelenken. Übungen zum Geraderichten gleichen die natürliche Schiefe vieler Pferde aus, bei der entweder das rechte oder das linke Hinterbein außen an der Spur des Vorderbeins vorbei auffußt und dadurch weniger Schubkraft beiträgt.
 
6. Versammlung
Versammlung ist eine Haltung des Pferdes, bei der die Hinterhand ein Maximum an Last aufnimmt, wodurch eine maximale Entlastung und erhöhte Beweglichkeit der Vorderhand erreicht wird. Versammlung wird erreicht, indem die Hinterbeine mit gebeugten Hanken unter den Bauch treten, der Rücken bei abgesenkter Kruppe aufgewölbt, der Hals zurückgenommen und aufgerichtet und der Kopf gesenkt wird.
Schon Steinbrecht (1884) schreibt, dass die vollkommene Losgelassenheit erst in den versammelten Seitengängen erreicht werden kann. Auch die Versammlung auf die Hinterhand, etwa beim Piaffieren, ermöglicht dem Pferd, sich sichtbar losgelassen und dynamisch zu bewegen. Konstanze Krüger, Kurt Krüger: Trainingslehre für Dressurpferde (2001)
Wichtig ist aber auch, zu verstehen, dass sich die einzelnen trainierten Fähigkeiten nicht wirklich so perfekt voneinander isolieren lassen, wie es die lineare Form der Ausbildungsskala nahelegt. Es gibt immer auch Rückwirkungen von den höheren auf die niedrigeren Stufen: Durch den Erwerb der höheren Fähigkeiten verbessern sich wiederum auch die Grundfähigkeiten.
Der Schwung steht zwar in der Ausbildungsskala vor der Geraderichtung, der volle Schwung kann aber erst nach der Geraderichtung entwickelt werden. Barbara Decker: Die Reittrainings-Box (2021)

Wie ist Dressurreiten in Deutschland organisiert?

In Deutschland liegt die Organisation des Pferdesports in den Händen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).  Sie ist der größte nationale Pferdesportverein (französisch: Fédération Équestre Nationale – dafür steht die Abkürzung FN) innerhalb der internationalen Pferdesport-Dachorganisation Fédération Équestre Internationale.

Wo finde ich die Regeln fürs Dressurreiten?

Die FN ist Herausgeber der für den deutschen Dressursport wichtigen Regelwerke. Die wichtigsten Dokumente sind:
 
  • Die Richtlinien für das Reiten und Fahren: Beschreiben unter anderem die korrekte Ausführung aller Dressurlektionen.
  • Das Aufgabenheft Reiten: Enthält standardisierte Aufgaben für die Dressurprüfungen der verschiedenen Klassen.
  • Die Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO): Regelt die Durchführung von Wettbewerben im leistungsorientierten Pferdesport (Anforderungen für die Teilnahme von Reitern und Pferden, zulässige Ausrüstung, Richtverfahren).
  • Die Wettbewerbsordnung für den Breitensport (WBO): Das Äquivalent zur LPO für Breitensport-Wettbewerbe, die allen Reitern unabhängig von Leistungsstand oder Vereinszugehörigkeit offenstehen.
  • Die Ausbildungs-Prüfungs-Ordnung (APO): Regelt die Ausbildung von Reitern und Reittrainern sowie die Anforderungen für die Vergabe der Reitabzeichen.

Welche Dressurturniere gibt es?

In Deutschland finden zwei Arten von Dressurturnieren statt: Wettbewerbe (WBO-Turniere) und Leistungsprüfungen (LPO-Turniere). Für WBO-Turniere gilt die Wettbewerbsordnung für den Breitensport, für LPO-Turniere die Leistungs-Prüfungs-Ordnung.

Die Anmeldung für WBO- und LPO-Turniere (die sogenannte Nennung) erfolgt online über das Portal Nennung Online der FN.

Teilnahmevoraussetzungen für WBO-Turniere

WBO-Turniere sind der ideale Einstieg in den Turniersport, da die Teilnahme sehr niedrigschwellig ist: Um starten zu können, brauchen Sie keine Turnierlizenz und in der Regel auch weder Vereinsmitgliedschaft noch Leistungsnachweise.

Teilnahmevoraussetzungen für LPO-Turniere

Um an einem LPO-Turnier teilnehmen zu können, müssen Sie:
 
  • Mitglied in einem der FN angeschlossenen Reitverein sein,
  • eine kostenpflichtige Jahresturnierlizenz erwerben,
  • Ihr Pferd bei der FN als Turnierpferd registrieren
  • und bereits über von der FN anerkannte Leistungsnachweise wie Reitabzeichen oder Leistungsklassen-Einstufungen verfügen. 
Für Einsteiger in Leistungsklasse E sind die Anforderungen nicht ganz so umfangreich: Hier genügen die Vereinsmitgliedschaft und eine günstigere Schnupperlizenz. In jedem Fall muss das Pferd als Turnierpferd eingetragen und gegen Influenza und Herpes geimpft sein.

Turniersuche

Die Webpräsenz der FN bietet eine Turniersuche – hier können Sie sich alle Turniere anzeigen lassen, die in einem bestimmten Zeitraum und Umkreis um Ihren Wohnort stattfinden.

Die Klassen des Dressurreitens

Die FN unterscheidet Prüfungsklassen und Leistungsklassen.

Prüfungsklasse

Die Prüfungsklasse beschreibt die Anforderungen bei einer Dressurprüfung.
 
  • Klasse E: Einsteiger
  • Klasse A: Anfänger, feiner aufgeteilt in die Niveaus A* und A**
  • Klasse L: Leicht
  • Klasse M: Mittelschwer, feiner aufgeteilt in die Niveaus M* und M**
  • Klasse S: Schwer, feiner aufgeteilt in die Niveaus S*, S**, S*** und S**** (Grand Prix) 
Benotet wird bei Dressurprüfungen von 0 bis 10, mit der 10 als Bestnote.

Leistungsklasse

Die Leistungsklasse gibt das Leistungsniveau des Reiters an. In einer bestimmten Prüfungsklasse dürfen Reiter nur starten, wenn sie eine bestimmte Leistungsklasse erreicht haben. Die Einstufung in eine Leistungsklasse beantragen Sie bei der FN. Die Voraussetzungen für die Einstufung haben wir in der folgenden Tabelle zusammengestellt.
 
Leistungsklasse Voraussetzungen Berechtigt zur Turnierteilnahme in Prüfungsklasse
L7 Keine E
L6 Reitabzeichen 5 / seit 2026 Turniersportabzeichen Klasse A A und E
L5 Reitabzeichen 3 oder Reitabzeichen 4 / seit 2026 Turniersportabzeichen Klasse L L und A
L4 Reitabzeichen 2 oder Erfolge in L-Prüfungen oder abgeschlossene Ausbildung als Pferdewirt Fachrichtung Reiten oder Amateur-Reitlehrer (Trainer A) M, L und A
L3 Reitabzeichen 1 oder Erfolge in M-Prüfungen oder Pferdewirtschaftsmeister mit Schwerpunkt Reitausbildung S, M, L und A
L2 Reitabzeichen in Gold oder Erfolge in M- und S-Prüfungen S, M, L und A
L1 Erfolge in S- und Grand-Prix-Prüfungen S, M, L und A (A nur im Rahmen einer Aufbauprüfung für junge Pferde)

Ab der Leistungsklasse 5 lassen sich die meisten Reiter über Turniererfolge hochstufen. Der Weg über die Reitabzeichen (2 für Klasse 4, 1 für Klasse 3) ist eine seltener genutzte Alternative.

Welche Ausrüstung brauche ich zum Dressurreiten?

Die richtige Ausrüstung macht vieles ein bisschen einfacher – auch beim Reiten. Dazu kommen Erfordernisse in Sachen Sicherheit, bei denen Sie auf keinen Fall Abstriche machen sollten.

Die Bekleidung für Reiterin und Reiter

Beim Training geht es vor allem um Sicherheit und Komfort. Dagegen gelten bei einem Dressurturnier strikte Vorschriften für die Bekleidung.
 
Bekleidung beim Dressurtraining

Wenn Sie mit Ihrem Pferd trainieren, müssen Sie niemanden beeindrucken. Wichtig ist bequeme Kleidung, in der Sie gut reiten können – und die im Falle eines Unfalls Ihr Risiko minimiert.
 
  • Kopfschutz: Der Reithelm ist ein absolutes Muss.
  • Oberbekleidung: Zweckmäßig, bequem, aber eher enganliegend, der Jahreszeit entsprechend. Kein Muss, weniger wichtig als etwa beim Springreiten oder im Gelände, aber schon auch beim Dressurreiten eine sinnvolle „Sturzversicherung“: die Airbag-Weste.
  • Hände: Reithandschuhe sind ebenfalls kein Muss, aber sehr zu empfehlen: Wenn Führstrick oder Zügel bei Problemen mit dem Pferd ruckartig durch die ungeschützten Hände rutschen, kann das zu äußerst unangenehmen Schürfverletzungen führen. Außerdem sorgen geeignete Handschuhe für Griffsicherheit und schützen vor Blasen.
  • Beinbekleidung: Bequem und möglichst rutschfest. Jeans oder Leggings sind OK, zweckmäßiger ist aber eine richtige Reithose. Anders als bei Jeans sind deren Nähte so gearbeitet, dass sie beim Reiten nicht scheuern. Und anders als normale Leggings verfügen Reithosen zum Dressurreiten über einen rutschfesten Besatz, der vom Gesäß ausgehend an den Beininnenseiten bis zu den Unterschenkeln verläuft. Dieser sogenannte Vollbesatz ermöglicht einen sehr guten Halt im Sattel und erleichtert das Einnehmen des richtigen Sitzes.
  • Schuhwerk: Stiefeletten oder Stiefel ohne Schnürsenkel und mit einem kleinen Absatz sind ein Muss, Turnschuhe ein No-Go. Feste, robuste Sohlen und ein mindestens knöchelhoher Schaft schützen die Füße. Der kleine Absatz verhindert, dass Sie zu weit in die Steigbügel rutschen und bei einem Sturz womöglich darin hängen bleiben.
Bekleidung auf einem Dressurturnier

Für Dressurturniere gelten Kleiderregeln, an die Sie sich halten müssen, wenn Sie nicht anecken wollen. Die entsprechenden Festlegungen finden sich im Ausrüstungskatalog der Leistungs-Prüfungs-Ordnung der FN.
 
  • Kopfschutz: Dunkler Reithelm.
  • Oberbekleidung: Weißes oder cremefarbenes Hemd / Bluse oder blusenähnliches Oberteil mit Stehkragen oder Plastron (das ist eine Art Unisex-Krawatte aus edlem Stoff), schwarzer oder dunkelfarbener Blazer.
  • Hände: In den Klassen M und S sind helle Handschuhe Pflicht.
  • Beinbekleidung: Weiße oder cremefarbene Reithose.
  • Schuhwerk: Lange schwarze Reitstiefel.
Und das Pferd?

Um auf dem Dressurturnier mit Ihrem Pferd einen guten Eindruck zu machen, sollten Sie Folgendes beachten:
 
  • Turnierschabracke: Die LPO macht hier keine Vorgaben, aber es ist eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass Pferde mit einer weißen oder cremefarbenen Schabracke antreten.
  • Mähne: Gleichmäßig kürzen und einflechten.
  • Hufe: Reinigen und mit Huffett oder Huföl polieren.
  • Fell: Sauber und glänzend bürsten, evtl. Fellglanzspray verwenden (Sattellage wegen Rutschgefahr aussparen!); Winterfell scheren.
Niemals lege man erst zur Prüfung ganz neue Reitausrüstung auf, sondern erprobe Zaumzeug und Sattel schon an den Vortagen. Das Gleiche gilt für den eigenen Anzug. Hans von Heidebreck: Die deutsche Dressurprüfung (1929)

Das Zaumzeug zum Dressurreiten

Dressur wird üblicherweise mit Trensenzäumung geritten. Reiter der höheren Leistungsklassen nutzen auch die Kandarenzäumung.
 
Trensenzäumung

In den niedrigeren Leistungsklassen der Dressur wird mit Trensenzäumung geritten. Zugelassen für Turniere sind laut LPO-Ausrüstungskatalog:
 
  • Englisches Reithalfter
  • Schwedisches Reithalfter
  • Englisch- oder schwedisch-kombiniertes Reithalfter
  • Hannoversches Reithalfter
  • Mexikanisches Reithalfter
  • Micklem-Zaum
Was hier als Reithalfter oder Trense bezeichnet wird, ist eigentlich eine (oft fest zusammengefügte) Kombination aus Trense (Genickstück, Stirnriemen, Kehlriemen und Backenstücke mit daran befestigtem Gebiss) und Halfter (Nasenriemen und optional Sperrriemen). Meist werden die Begriffe Reithalfter und Trense aber stattdessen austauschbar für diese Kombination verwendet.
 
Das schwedische Reithalfter ähnelt dem englischen, hat aber einen etwas breiteren, weicheren Nasenriemen, der sich durch eine Umlenkschnalle dank Flaschenzugprinzip mit weniger Zug – und damit potenziell pferdefreundlicher – verschnallen lässt. Zum kombinierten Reithalfter wird das englische oder schwedische durch einen zusätzlichen Sperrriemen unter dem Unterkiefer.
 
Beim Hannoverschen Reithalfter sitzt der Nasenriemen tiefer und wirkt so als Sperrriemen. Das mexikanische Halfter besteht aus Nasenriemen und Sperrriemen, die sich auf dem Nasenrücken kreuzen.
 
Der Micklem-Zaum wird auch anatomische Trense genannt: Er ähnelt der Hannoverschen Trense, wobei die Riemen so verlaufen, dass schmerz- und druckempfindliche Punkte des Pferdegesichts gezielt ausgespart werden.
 
Kandarenzäumung

Die Kandare ist ein Gebiss mit Hebelwirkung, das Zügelhilfen erheblich verstärkt. Mit einer Kandare ist es möglich, das Pferd wirklich mit geringstem, praktisch unmerklichem Kraftaufwand zu steuern. Gleichzeitig ist es sehr leicht, dem Pferd weh zu tun, wenn man seine Hilfen nicht gut dosieren kann. Deshalb sollten nur sehr erfahrene Reiter die Kandare nutzen.
 
Man muss mit der Kandarenzäumung doppelt vorsichtig sein, eine um so weichere Hand haben und womöglich noch mehr nachgeben als gewöhnlich. Ernst von Maercken zu Geerath: Geländereiten und Springen (1913)
Bis Ende 2025 war ab der Prüfungsklasse S das Reiten mit Kandare und Unterlegtrense – also mit zwei Paar Zügeln – zwingend vorgeschrieben. Auf manchen Turnieren wurde es auch bereits in der Klasse M** erwartet. Ab Januar 2026 hat sich das geändert: Nicht nur die deutsche FN, sondern auch die internationale Dachorganisation FEI haben sich entschieden, Reitern in diesen Prüfungsklassen das Reiten auf Trense oder Kandare freizustellen. Nur in der Grand-Prix-Klasse S**** bleibt die Kandare Pflicht.
 
Kann man gebisslos Dressur reiten?

Zügelhilfen sind ein Teil der Dressur, und die Anlehnung – also das aktive Hineindehnen in das Gebiss durch das Pferd – ist gar eine der unverzichtbaren Stufen der Dressur-Ausbildungsskala. Kann man dann auch mit einer gebisslosen Zäumung Dressur reiten? Dazu gibt es verschiedene Meinungen.
 
Die FN ist der Ansicht, dass das Reiten ohne Gebiss nicht mit der klassischen Reitlehre vereinbar ist. Die Pferdesportorganisation lässt auf ihren Turnieren gebisslose Zäumungen nur ausnahmsweise zu, wenn ein Veterinärmediziner attestiert, dass Reiten mit Gebiss aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist. Dagegen argumentieren viele Verfechter der gebisslosen Zäumung, dass Dressurreiten auf jeden Fall auch mit Knotenhalfter, Glücksrad, Bosal & Co. möglich ist.
 
Eines ist sicher: Sie können gebisslos fein reiten. Zum einen erlaubt eine gebisslose Zäumung natürlich trotzdem Zügelhilfen (deren präzise, pferdeschonende Anwendung es allerdings durchaus in sich hat!). Als Anlehnung könnte man dann eine Haltung definieren, bei der das Pferd mit aufgewölbtem Rücken, aktiv untertretender Hinterhand und gedehntem Hals den Kontakt zum Zügel sucht. Und zum anderen sollten die Sitz- und Schenkelhilfen beim feinen Reiten ja ohnehin die dominierende Rolle spielen. So ist es auch gebisslos möglich, das Pferd durch alle Stufen der Ausbildungsskala zu führen.
Um ein Pferd gut und fein dressurmäßig auszubilden, bedarf es einer Menge an Talent, Wissen, Gefühl und Zeit – ganz gleich, ob nun mit Gebiss oder ohne. Wer sich für die gebisslose Variante entscheidet, muss sich dessen bewusst sein, dass es von allem etwas mehr braucht, und dass er im Korrekturfall immer weniger Möglichkeiten zur Verfügung hat als ein Reiter, der auf das sensiblere Pferdemaul einwirken kann. Pamela Sladky: Gebisslos Dressurreiten. In: Pferderevue (2015)

Der richtige Sattel zum Dressurreiten

Zunächst einmal: Dressurmäßig gymnastizieren können Sie Ihr Pferd grundsätzlich in jedem Sattel. Probleme werden Sie dabei am ehesten in einem Springsattel haben, der es Ihnen schwer bis unmöglich macht, in den korrekten Dressursitz mit langem Bein zu kommen. Aber auch in Springsätteln ist schon Dressur geritten worden.
 
Trotzdem gilt natürlich auch für die Sattelwahl bei der Dressur: Gute Ausrüstung macht vieles einfacher.

Ein Dressursattel fördert den korrekten Dressursitz – mit oder ohne Pauschen

Ein richtiger Dressursattel ist speziell für das Dressurreiten konzipiert. Das bedeutet in erster Linie, dass er das Einnehmen des Dressursitzes – und damit auch die korrekten Sitz- und Schenkelhilfen – sehr erleichtert. Dazu tragen besonders ein tiefer Sitz und die langen, gerade geschnittenen Sattelblätter bei.
 
Viele Dressursättel haben zudem mehr oder weniger ausgeprägte Oberschenkelpauschen, die dem Reiterbein in der korrekten Position Halt geben sollen. Ob solche Pauschen wirklich notwendig oder vielleicht sogar kontraproduktiv für einen wirklich guten, freien Dressursitz sind, wird allerdings kontrovers diskutiert.
Eine betonte Sitztiefe in Verbindung mit großen, die Oberschenkel des Reiters fixierenden Pauschen ist eine Fehlentwicklung im Sattelbau. Reiter fragen danach, weil ihnen das Gefühl der Sicherheit vermittelt wird. Das Gegenteil ist jedoch der Fall, weil die Losgelassenheit und die Einwirkung der Reiter stark beeinträchtigt werden. Deutsche Reiterliche Vereinigung: Grundausbildung für Reiter und Pferd, Richtlinien für Reiten Bd. 1

Dressursättel haben oft eine recht kleine Auflagefläche

Dressursättel sind Pritschensättel. Das heißt, ihr Sattelbaum bedingt eine – im Vergleich etwa mit Westernsätteln – recht kleine Auflagefläche. Das ist nicht unbedingt bequem für das Pferd: Je kleiner die Fläche ist, auf die das Reitergewicht einwirkt, desto größer ist der Druck auf diese Partien des Pferderückens. Das bedeutet, dass Sie in einem solchen Sattel wirklich nicht für längere Zeit auf dem Pferd sitzen sollten, um den Pferderücken nicht zu überlasten. Eine bis anderthalb Stunden sind hier in etwa das Limit.
 
Warum so eine kleine Auflagefläche? Man könnte argumentieren, dass der erhöhte Druck in gewisser Weise aufmerksamkeitssteigernd wirkt: Bei einer Dressurprüfung soll das Pferd es schließlich nicht bequem haben, sondern höchst alert und leistungsbereit sein.
 
Oft wird zudem gesagt, dass Dressursättel den Kontakt zum Pferd verbessern und feine Hilfen besonders gut übertragen. Auch das hat mit der kleinen Auflagefläche zu tun: Je geringer die Fläche des Pferderückens ist, auf die das Reitergewicht wirkt, desto größer ist der Druck, den der Sattel ausübt – und desto größer und damit deutlicher sind auch die Druckveränderungen, die durch Ihre Gewichts- oder Kreuzhilfen entstehen.

Fein reiten können Sie auch mit breiteren Kissen

Wahr ist aber auch, dass Sie in einem Sattel mit größerer Auflagefläche durchaus ebenfalls sehr fein reiten können – wenn Sie es können. Gute Westernreiter schaffen das zum Beispiel trotz der ausgesprochen großen Auflagefläche eines Westernsattels.
 
Pferde haben ein fantastisches Gespür für ihren Reiter. Bei einer korrekt gegebenen, punktgenauen Hilfe ist es deshalb gar nicht nötig, zu „klotzen“.  Wichtig für die präzise Übertragung der Hilfen ist dann eher die perfekte Sattelpassform.

Was sagt die FN zum bei Turnieren vorgeschriebenen Dressursattel?

Im LPO-Ausrüstungskatalog macht die FN zum Sattel folgende Vorschriften:
 
  • Vorgeschrieben ist ein Pritschensattel in englischer Form mit Sattelbaum: Das schließt Barocksättel mit ausgeprägten Galerien (keine englische Form) ebenso aus wie Westernsättel (Trachtensattel, kein Pritschensattel) und baumlose Sättel.
  • Hinsichtlich der Sattelpolsterung wird angemerkt, dass auch eine verbreiterte Auflagefläche der Sattelkissen auf dem Pferderücken zulässig ist. Das bedeutet: Dressursättel mit der extrabreiten Comfort-Auflage von Iberosattel® sind FN-konform.

Beeinflusst der Sattel die Dressurleistung?

Allerdings: Der Sattel beeinflusst die Dressurleistung.
 
  • Zum einen brauchen Sie einen Sattel, der es Ihnen einfach macht, den korrekten Dressursitz mit langem Bein und lockerem Becken einzunehmen: Nur so schwingen Sie richtig mit Ihrem Pferd mit und können Ihre Hilfen korrekt platzieren.
  • Fast noch wichtiger ist die korrekte Passform des Sattels. Gute Reiter können meist auch in einem Sattel, der das nicht unbedingt fördert, richtig sitzen – aber ein unpassender Sattel ist ein Problem, um das man nicht herumkommt.
Aber auch für den besten Reiter ist es unmöglich, in eine gemeinsame Schwingung mit dem Pferderücken zu finden, sitzt er auf einem unpassenden Sattel. Dr. Gerd Heuschmann. In: Jochen Schleese, The Silent Killer (2017)
Ein unpassender Sattel verursacht potenziell eine Reihe von schwerwiegenden Problemen, die die Dressurleistung direkt beeinträchtigen:
 
  • Schmerzen: Drückt oder scheuert der Sattel, kann das Pferd nicht losgelassen arbeiten.
  • Verspannungen: Schonhaltungen, die der Schmerzvermeidung dienen, wie etwa das Wegdrücken/Festmachen des Rückens, beeinträchtigen den Schwung.
  • Eingeschränkte Bewegungsfreiheit: Bietet der Sattel nicht ausreichend Schulterfreiheit, beeinträchtigt das den Raumgriff und die Qualität der Gänge. Drückt der Sattel in der Lendenregion, wird das Pferd am Untertreten mit der Hinterhand gehindert.
  • Gestörte Kommunikation: Ein unpassender Sattel liegt nicht gleichmäßig auf und kann deshalb Gewichtshilfen nicht präzise übertragen.
  • Gestörtes Gleichgewicht: Setzt der Sattel den Reiter zu weit nach hinten oder vorn, liegen die Schwerpunkte von Pferd und Reiter nicht auf einer senkrechten Linie. Das bringt das Pferd aus dem Gleichgewicht – mit jeder Menge negativer Folgen für Haltung, Bewegung und Hilfengebung.
Kurzum: (Nicht nur) um die Leistung zu optimieren, die Ihr Pferd bei der Dressur erbringt, sollten Sie für einen wirklich gut passenden Sattel sorgen.

Dressursättel von Iberosattel®: Pferdefreundlich, komfortabel, leistungsfördernd

Wir bei Iberosattel® haben es uns seit langem zur Aufgabe gemacht, komfortable und vor allem optimal angepasste Reitsättel zu entwickeln. Besonders wichtig ist uns, auch für kurze, breite, rundrückige Pferde – die Stiefkinder der Sattelanpassung – rundherum zufriedenstellende Sattellösungen zu finden.
 
Die Ansprüche an einen bestmöglich passenden Sattel sind hoch:
 
  • Schulterfreiheit
  • Widerristfreiheit
  • Lendenfreiheit
  • Ausreichend breiter Wirbelkanal
  • Perfekt angepasste, verstellbare Kammerweite
  • Genau justierte, extrabreite Polsterung 
Ein Iberosattel® setzt ein Häkchen hinter jeden dieser Punkte. So stellen wir sicher, dass Ihr Pferd fleißig und losgelassen unter dem Sattel arbeiten kann.
 
Und keine Sorge: Wir denken auch an Reiter und Reiterin. Unsere Sättel sitzen sich herrlich bequem. Lassen sich optisch in jeder Hinsicht an den persönlichen Geschmack anpassen. Und schaffen auf langen Ausritten durch unsere Amazonalösungen zusätzliche Entlastung für die empfindlichen Regionen von Schambein und Sitzbeinhöckern.
 
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Und das sagen unsere Kunden:
 
Gunnar Wiedner: „Wir bilden unsere Pferde schon seit vielen Jahren mit Iberosätteln aus. Und das aus gutem Grund: Diese Sättel entsprechen unseren Anforderungen für eine anspruchsvolle Dressurarbeit mit den unterschiedlichsten Pferden und Rassen. Mit dem Amazona Dressage Comfort und dem Dressage Andaluz haben wir für unsere Arbeit wieder die idealen Sättel gefunden.
Wir legen viel Wert darauf, unsere Sättel regelmäßig überprüfen zu lassen – da sich Pferde durch ein mehr oder weniger an Training permanent verändern. Das Team von Iberosattel® gewährleistet durch seine Arbeit und Betreuung eine optimale Passform für Reiter und Pferd.

 
Katrin S.: „Mein Dressage-Andaluz-‚Luxus-Sessel‘ ist wirklich jeden Cent wert. Hätte ich eher gewusst, wie viel mir und natürlich meinem Pferd ein Iberosattel® bringt bzw. welchen tollen Service es bei Michael Henn gibt, wäre ich schon viel eher auf einen Iberosattel® umgestiegen. Ich hätte meinem Pferd so manches Leid ersparen können.
 
Rebekka I.: „Nachdem ich meinen Sevilla-Sattel jetzt eine Zeitlang genießen durfte, wollte ich mich einfach bedanken. Der Sattel passt super, mein Süßer kommt einfach nur gut damit zurecht. Meine Reitlehrerin war auch total begeistert, weil er so eine mega Schulterfreiheit bietet und man das am Gang sehr merkt.

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