Barockreiten: Geschichte der barocken Reitweise
Das Barockreiten erlebt heute seine Renaissance – und war zur Zeit seiner Entstehung selbst ebenfalls eine Rückbesinnung: nämlich auf die Reitkunst der Antike.
Von den Werken des griechischen Feldherrn Xenophon über das höfische Vergnügungsreiten im 17. Jahrhundert bis hin zur modernen Freizeitgestaltung: Die Geschichte des Barockreitens spiegelt eine ständige Rückbesinnung auf die harmonische Verbindung zwischen Reiter und Pferd wider.
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Wo liegen die Ursprünge des Barockreitens?
Antike Ideen zur einfühlenden, gewaltfreien Ausbildung von Pferden überliefern die aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. stammenden Werke des griechischen Staatsmanns und Feldherrn Xenophon.
Bei Xenophon dient die Ausbildung zwar in erster Linie der Beherrschung des Pferdes im berittenen Kampf. Die von ihm vermittelten Grundlagen des Reitens basieren aber auf Überlegungen zum Wesen des Pferdes und zur Wichtigkeit der Gymnastizierung, die bis heute Gültigkeit behalten haben.
Bei Xenophon dient die Ausbildung zwar in erster Linie der Beherrschung des Pferdes im berittenen Kampf. Die von ihm vermittelten Grundlagen des Reitens basieren aber auf Überlegungen zum Wesen des Pferdes und zur Wichtigkeit der Gymnastizierung, die bis heute Gültigkeit behalten haben.
"Erzwungenes und Unverstandenes ist niemals schön und wäre gerade so, als ob man durch Peitschen und Stacheln einen Tänzer zum Umherspringen zwingen wollte." — Aus Xenophon: Über die Reitkunst.
Wie andere antike Schriften wurden auch Xenophons Werke nach dem Niedergang der antiken Stadtstaaten und Reiche in Klosterbibliotheken aufbewahrt und kopiert. Auf diese Weise blieben sie bis zu ihrer Wiederentdeckung im Italien des 16. Jahrhunderts erhalten.
Neubelebung in der Renaissance

Die Renaissance brachte eine Neubelebung aller Künste, wozu auch die Reitkunst gehörte.
Der neapolitanische Edelherr Federico Grisone studierte Xenophons Werk – und übernahm nahezu Wort für Wort Passagen über den reiterlichen Sitz und die Hilfengebung in seine 1550 erschienene Reitlehre „Ordini del Cavalcare “.
Der in zahlreichen Ausgaben gedruckte und bald auch in französischer, deutscher, englischer und spanischer Übersetzung veröffentlichte Bestseller begründete Grisones Ruf als Vater der neuzeitlichen Reitkunst.
Der neapolitanische Edelherr Federico Grisone studierte Xenophons Werk – und übernahm nahezu Wort für Wort Passagen über den reiterlichen Sitz und die Hilfengebung in seine 1550 erschienene Reitlehre „Ordini del Cavalcare “.
Der in zahlreichen Ausgaben gedruckte und bald auch in französischer, deutscher, englischer und spanischer Übersetzung veröffentlichte Bestseller begründete Grisones Ruf als Vater der neuzeitlichen Reitkunst.
Grisones Beitrag zur Weiterentwicklung der barocken Reitkunst:
- Bedeutung der Hankenbeugung (der Winkelung der Hinterbeine).
- Einführung der Volte (des Reitens im Kreis).
- Betonung der bis dahin wenig beachteten Trabarbeit.
Die Schüler der neuzeitlichen Reitkunst: Rückkehr zur Gewaltfreiheit
Zu den Schülern von Grisone gehörte Giovanni Battista Pignatelli, an dessen Reitakademie in Neapel wiederum der Franzose Antoine de Pluvinel ausgebildet wurde.
Pluvinel wurde später Reitausbilder und Stallmeister Ludwigs XIII. – und reproduzierte aus eigener Überzeugung die Abkehr von der Gewalt, die bereits Xenophon propagiert hatte.
Auch Pluvinel veröffentlichte eine Reitlehre – die 1623 erschienene „Manège Royal“, deren Erfolg allerdings zunächst weniger durchschlagend war.
Pluvinel wurde später Reitausbilder und Stallmeister Ludwigs XIII. – und reproduzierte aus eigener Überzeugung die Abkehr von der Gewalt, die bereits Xenophon propagiert hatte.
Auch Pluvinel veröffentlichte eine Reitlehre – die 1623 erschienene „Manège Royal“, deren Erfolg allerdings zunächst weniger durchschlagend war.
"Auf ein Pferd, das aus Angst gehorcht, ist kein Verlass. Es wird immer etwas geben, vor dem es sich mehr fürchtet als vor dem Reiter. Wenn es aber seinem Reiter vertraut, wird es ihn fragen, was es tun soll, wenn es sich fürchtet." — Aus Pluvinel: Manège Royal.
Im Frankreich Ludwig XV kommt alles zusammen

Das Gedankengut Pluvinels ebnete den Weg für François Robinchon de la Guérinière, der letztlich zum Begründer der klassischen Reitkunst wurde.
La Guérinière betrieb eine eigene Reitakademie in Paris, veröffentlichte das bahnbrechende Werk „École de Cavalerie“ und wurde 1730 Reitmeister des Königs und Leiter der neu erbauten königlichen Reitschule Le Manège des Tuileries.
La Guérinière betrieb eine eigene Reitakademie in Paris, veröffentlichte das bahnbrechende Werk „École de Cavalerie“ und wurde 1730 Reitmeister des Königs und Leiter der neu erbauten königlichen Reitschule Le Manège des Tuileries.
Erste systematische, gewaltfreie Ausbildung für das Pferd
In der „École de Cavalerie“ beschreibt La Guérinière erstmalig eine systematische Ausbildung für das Pferd – gewaltfrei, mit logisch aufeinander aufbauenden, vom Leichten zum Schweren fortschreitenden Lektionen, unter Berücksichtigung der Biomechanik und der natürlichen Bedürfnisse des Pferdes.
Zu seinen wichtigsten „Erfindungen“ gehört neben dem korrekten reiterlichen Sitz das Schulterherein: wohl die Schlüssellektion der klassisch-barocken Reiterei.
Zu seinen wichtigsten „Erfindungen“ gehört neben dem korrekten reiterlichen Sitz das Schulterherein: wohl die Schlüssellektion der klassisch-barocken Reiterei.
"Die Reitkunst scheint nur Übung zu verlangen. Jedoch ist Übung ohne wahre Grundsätze nichts als Routine, deren Früchte Anstrengung, unsichere Ausführung und falsche Juwelen sein werden, mit denen man die Halbkenner beeindrucken kann. [...] Der Ursprung des größten Teils der Widersetzlichkeiten bei den Pferden liegt nicht immer in ihrer Natur. Man verlangt öfters Dinge von ihnen, die sie noch nicht zu leisten fähig sind; man strengt sie zu sehr an, und will sie zu geschickt machen. Dieser große Zwang macht ihnen die Arbeit verhasst, er ermüdet und verdirbt ihnen die Sehnen und Nerven, deren Federkräfte doch die Biegsamkeit bewirken, und oft sind sie zugrunde gerichtet, wenn man gerade glaubt, sie wohl zugeritten zu haben. Sie gehorchen alsdann, weil ihnen die Kräfte zum Widersetzen fehlen, aber auf eine unanständige Art, und ohne einigen Nachdruck. Noch aus einer anderen Ursache entstehen diese Fehler. Man reitet die Pferde zu jung; die Arbeit, die man von ihnen verlangt, übersteigt das Maß ihrer Kräfte, und da sie sich noch nicht hinlänglich ausgelegt haben, um dem Zwang zu widerstehen, den sie erleiden müssen, bevor sie abgerichtet sind, so greift man ihnen den Rücken an, schwächt ihnen die Kniekehlen und verdirbt sie auf immer.“ — Aus La Guérinière: École de Cavalerie.
La Guérinières Tätigkeit traf auf ein Klima, in dem das Reiten nicht mehr nur kriegerischen, sondern zunehmend auch repräsentativen Zwecken diente: Prachtvolle Pferde schön und harmonisch reiten zu können, war ein Muss für große und kleine Herrscher der absolutistischen Epoche.
Verbreitung der „École de Cavalerie“ in Europa

In viele Sprachen übersetzt, wurde die „École de Cavalerie“ zum Standardwerk der blühenden Reitausbildung an europäischen Höfen.
1735 wurde der neue Winterreitsaal der Wiener Hofburg fertiggestellt – hier entstand die Spanische Hofreitschule (so benannt nach den dort eingesetzten „Spanischen Karstern“, wie damals die von iberischen Pferden abstammende Rasse der Lippizaner genannt wurde).
1735 wurde der neue Winterreitsaal der Wiener Hofburg fertiggestellt – hier entstand die Spanische Hofreitschule (so benannt nach den dort eingesetzten „Spanischen Karstern“, wie damals die von iberischen Pferden abstammende Rasse der Lippizaner genannt wurde).
Revolution, Ökonomierung und Einfluss des Militärs im 18. und 19. Jahrhundert
An der Spanischen Hofreitschule in Wien werden bis heute die Traditionen der klassischen Reitkunst buchstabengenau gepflegt. Anderenorts gab es Brüche:

- Die französische Revolution, durch die zeitweise die französische Monarchie abgeschafft wurde, sowie die nachfolgenden napoleonischen Kriege führten zu erheblichen Umwälzungen an europäischen Höfen – und damit auch zum Niedergang vieler Ausbildungsstätten der klassischen Reitkunst.
- Ökonomie und Standardisierung hielten auch in der Welt des Reitens Einzug. So machte François Baucher 1843 mit einer (allerdings schon damals umstrittenen) Reitlehre von sich reden, die die Grundausbildung eines Reitpferdes auf nur drei Monate „eindampfte“. In Deutschland blieb der Einfluss der klassischen Reitlehre durch die kontinuierliche Ausbildungstätigkeit der Spanischen Hofreitschule relativ stark. Wichtige Namen sind hier Louis Seeger, B. von Oeynhausen und, eine Generation später, Gustav Steinbrecht mit seiner Schrift „Das Gymnasium des Pferdes“ (1885).
- Einfluss des Militärs: Etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts dominierte in Europa das moderne Warmblut – ein schmaleres Pferd im Rechteck-Typ, das überwiegend militärisch genutzt wurde. Reitkunst zu Repräsentationszwecken war weitgehend passé. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs blieb die Reiterei stark durch das Militär geprägt, das geländetaugliche Gebrauchspferde verlangte.
- Einflüsse aus England: Pferderennen, berittene Jagden, die ersten Dressur-Turniere – Durch diese Veränderungen kam es zwar zu keiner direkten Abkehr von den Prinzipien der klassisch-barocken Reitkunst – aber doch zu einer Weiterentwicklung im Sinne einer in der Ausbildung ökonomischeren, sportlicheren, kompetitiveren und generell etwas weniger kunstfertigen Reiterei.
Die Freizeitreiterei des späteren 20. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert eroberte der motorisierte Transport das Privatleben ebenso wie Militär, Landwirtschaft und Handel – und führte zum kompletten Niedergang jeder Form der Gebrauchsreiterei, begleitet vom Wegbrechen der militärischen Ausbildungstradition an Stätten wie etwa der berühmten Kavallerieschule Hannover.
Reiten wird zum Sport
Wenige Jahrzehnte später begann eine neue Hochzeit der Freizeitreiterei. Das Reiten als Breitensport brachte ein Spektrum von Reitern hervor, das von oberflächlich ausgebildeten „Sonntagsreitern“ bis zu Profi-Sportlern reichte. Die neuen Entwicklungen führten vielleicht nicht zu einer ausgesprochenen Verfeinerung, aber durchaus zu einer Demokratisierung der Reitkunst.
Persönlichkeiten der klassisch-barocken Reitweise

Aus ganz verschiedenen Bevölkerungsschichten kamen nun hier und da leidenschaftliche Individualisten, denen kunstfertiges, pferdegerechtes Reiten am Herzen lag – und die sich als Reiter und Trainer einen Namen machten.
Solchen Individualisten ist die eindrucksvolle Öffnung und Diversifizierung des modernen Reitsports zu verdanken.
Sie brachten das Westernreiten, Horsemanship und das gebisslose Reiten nach Europa. Sie pflegten die alten europäischen Arbeitsreitweisen in der neuen Sportart Working Equitation. Und sie entdeckten auch das klassisch-barocke Reiten neu.
Solchen Individualisten ist die eindrucksvolle Öffnung und Diversifizierung des modernen Reitsports zu verdanken.
Sie brachten das Westernreiten, Horsemanship und das gebisslose Reiten nach Europa. Sie pflegten die alten europäischen Arbeitsreitweisen in der neuen Sportart Working Equitation. Und sie entdeckten auch das klassisch-barocke Reiten neu.
- Portugal: In den 1960er bis 1980er Jahren konnten Pferdefreunde die Prinzipien einer weiterentwickelten klassisch-barocken Reiterei durch die Auftritte und Werke des portugiesischen Reiters und Trainers Nuño Oliveira kennenlernen. 1973 wurde auf private Initiative die Königlich-Andalusische Reitschule im spanischen Jerez de la Frontera gegründet, 1979 die Portugiesische Schule für Reitkunst in Lissabon.
- In Deutschland machte sich besonders der Jurist und Reiter Richard Hinrichs um die klassische Reiterei verdient. Hinrichs hatte seine Reitausbildung am Reitinstitut Karlsruhe, wo Reitmeister Egon von Neindorff seit 1949 die Tradition der klassischen Reitausbildung hochhielt, sowie an der Wieder Hofreitschule genossen. Mit seinem 1989 erschienenen ersten Buch „Pferde – Tänzer an leichter Hand. Reiten mit unsichtbaren Hilfen“ brachte er viele Reiter in Deutschland dazu, verbreitete Methoden des Gefügigmachens von Pferden in Frage zu stellen.
- Dänemark und Frankreich: Andere für den klassischen Reitsport bedeutende Persönlichkeiten des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts sind etwa der Däne Bent Branderup mit seiner „Akademischen Reitkunst“ oder der Franzose Philippe Karl mit seiner „École de Légèreté“ – durchaus unterschiedliche Ansätze, die aber ohne weiteres als Ergebnisse der klassisch-barocken Renaissance aufgefasst werden können.
Formation und Organisation des barocken Reitsports in Deutschland ab 2000

- Institut für Klassische Reiterei Hannover: 2000 gründete Richard Hinrichs das Institut für Klassische Reiterei Hannover.
- Bundesverbands für klassisch-barocke Reiterei Deutschland: 2004 initiierte er die Gründung des Bundesverbands für klassisch-barocke Reiterei Deutschland und den Anschluss des neuen Verbands an die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN).
- Fürstliche Hofreitschule Bückeburg: Im selben Jahr wurde – unabhängig davon – in den historischen Räumlichkeiten von Marstall und Reithaus Bückeburg die Fürstliche Hofreitschule Bückeburg eröffnet.
- Trainerausbildung: Seit 2007 bietet der Bundesverband für klassisch-barocke Reiterei die Trainerausbildung der Stufen C und B an, seit 2012 auch den Trainer A.
- Landesmeisterschaften: Seit 2010 finden im niedersächsischen Verden jährlich Landesmeisterschaften für klassisch-barocke Reiterei statt.
- Deutsche Meisterschaften: Seit 2016 werden hier gleichzeitig die Deutschen Meisterschaften ausgetragen. Damit ist Barockreiten in Deutschland nun ein gut organisierter und regulierter Sport.
Das sagen unsere Kunden über ihren Barocksattel von Iberosattel®
Sandra über den Sattel Vaquero Breitschaft
"Ich habe meinen Vaquero Breitschaft schon vor vielen Jahren gekauft. Genau weiß ich es nicht mehr, aber 10- 12 Jahre ist es mindestens her. Ich bin immer gern mit diesem Sattel geritten, er ist einfach so bequem, robust, noch immer schön und braucht wirklich nicht viel Pflege dafür! Letztes Jahr ist mein Pferd, für den ich den Sattel gekauft habe, gestorben. Mein jetziges Pferd ist 4 Jahre jung und ich habe einfach mal angefragt bei Euch, ob es möglich ist meinen alten Sattel auf mein junges Pferd anzupassen. Alternativ hätte ich einen neuen Vaquero Bereitschaft für ihn gekauft. Und ich bin einfach nur begeistert! Es war KEIN PROBLEM den Sattel anzupassen. Klar, die Galerie musste umgebaut werden, die Kammer geweitet und die Polsterung angepasst werden, aber es war möglich. Und das zu einem wirklich fairen Preis!"
Sonja S. mit Sattel Ibero Barock
"Der perfekt auf meine kleine Stute angepasste Sattel war dann auch nach kürzester Zeit da und seitdem sind wir beide hochzufrieden mit unserer Wahl! Ich sitze auf ihm wie reingewachsen und meine Kleine kann sich frei bewegen. Bei der Ausbildungsarbeit und auch bei langen Ausritten freue ich mich jedes Mal über diesen tollen Sattel."
Nicole T. mit Sattel Ibero Amazona Comfort
"Bei der Dressurarbeit, auf dem Platz und auch nach einem dreistündigen Geländeritt ist er super bequem und einfach toll zu sitzen. Auch die Farbe ist einfach klasse und wir sind überall der Hingucker. Ich bin überglücklich diese Entscheidung getroffen zu haben. Ich möchte mich nochmal bei Ihnen für die freundliche und kompetente Beratung bedanken."
Ihr individueller Sattel fürs Barockreiten
Gerne finden wir auch für Sie einen passenden Barocksattel:
- Alle unsere Barocksättel aus der Premium Linie können kundenspezifisch nach Ihren Vorgaben gebaut werden: Farben, Pauschen, Sitztiefe – alles frei wählbar.
- Unsere Sättel lassen sich in vielerlei Hinsicht an die Veränderungen Ihres Pferdes anpassen.
- Ein Barocksattel mit Fendern? Kein Problem, geht nicht, gibt es nicht!

